Erik Spiekermann
Designer, Typograf und Schriftgestalter
Als dem bekanntesten deutschen Gestalter und Typografen habe ich Erik Spiekermann ein paar Fragen zur aktuellen Entwicklung von Schriften im Web stellen können. Sein eigenes Blog ist auch bereits in Echtschrift, seiner eigenen »Espi Slab«, gesetzt. Er steht der neuen Technik also wohlwollend gegenüber.
- Das Netz vor und nach @font-face, was ändert sich?
Es gibt keine medienspezifischen einschränkungen mehr. Typografie dient dem inhalt, gleich in welchem medium.
- Über welche Eigenschaften muss eine Schrift verfügen, damit sie sich als web-font eignet?
Wie überall richtet sich die schrift nach dem inhalt, dem empfänger, dem format und anderen technischen bedingungen. Auch papier und drucktechniken haben einfluss auf die schriftwahl und der bildschirm ist lediglich eine andere oberfläche mit anderen physikalischen eigenschaften. Noch ist ein bildschirm schlechtes papier mit relativ groben pixeln, aber auch für den flexdruck auf etiketten musste man bekanntlich andere schriften nehmen als für hochglanzpapier im offsetdruck mit 120er raster.
- Ist es an der Zeit, dass Schriftgestalter spezielle Schriften zum Einsatz im Web entwerfen?
Nein, sondern die gewünschten schriften müssen eine zeitlang noch an die jeweiligen rasterizer angepasst werden. Spezielle schriften gibt es für spezielle anwendungen wie listen, formulare, zeitungen, romane, kleine texte und große headlines.
- Trotz der aktuellen technischen Fortschritte gibt es noch immer viele typografische Einschränkungen auf Webseiten. Was wären jetzt die nächsten notwendigen Schritte und können Schriftgestalter und Foundrys bei der Weiterentwicklung helfen?
s.o. technische massnahmen wie hinting; vor allem aber einfluss nehmen auf die standards über browser und plattformen hinweg. Noch gibt es viele unterschiedliche methoden schrift am bildschirm darzustellen und jede von ihnen bringt ein anderes ergebnis.
- Auf der Edenspiekermann Seite gibt es eine schöné Vorschauseite, die in der FF Meta, im Web Open Font Format (WOFF), gesetzt ist. Ist WOFF das präferierte Format der Foundrys? Welche Vorteile bietet das Format?
WOFF ist ein guter kompromiss zwischen verschlüsselung (obfuscation) der fonts um die weiterverwendung für andere zwecke zu verhindern — vor allem die unlizensierte verbreitung — und kleiner datenmenge bei originalgetreuer abbildung.
Über Erik Spiekermann
Erik Spiekermann wurde 1947 in Stadthagen bei Hannover geboren. Er studierte Kunstgeschichte in Berlin und ging anschließend mit seiner Frau nach London, wo er als Berater für große Designfirmen arbeitete und Lehrtätigkeiten am London College of Printing ausübte. In London entstanden auch seine ersten Schriftentwürfe.
In Berlin gründete er 1979 MetaDesign und FontShop 1988. MetaDesign entwickelte sich zu einer der größten und wichtigsten Agenturen in Deutschland. Im Jahr 2000 verließ Spiekermann die Agentur. Momentan ist er als Partner bei Edenspiekermann tätig.