Ivo Gab­ro­witsch

Mar­ke­ting­lei­ter bei Font­Shop International

Als Mar­ke­ting Direc­tor bei FSI Font­Shop Inter­na­tio­nal und ver­ant­wort­lich für die Markt­ein­füh­rung von Web­fonts, ist Ivo Ga­bro­witsch eine der ent­schei­den­den Per­so­nen um end­lich eine große Aus­wahl pro­fes­sio­nel­ler Fonts als Web­fonts zur Ver­fü­gung zu stellen. Freundlicherweise hat er mir einige Fra­gen zur Tech­nik und Web­fonts im All­ge­mei­nen beantwortet.

Bitte erzähle uns ein wenig über dich selbst.

Ich bin als Mar­ke­ting­lei­ter bei FSI Font­Shop Inter­na­tio­nal tätig und ent­spre­chend in ver­schie­dene Auf­ga­ben inner­halb des FontShop-Netzwerks ein­ge­bun­den. Mein Schwer­punkt liegt vor allem bei der FontFont-Schriftbibliothek, für deren Mar­ke­ting ich haupt­ver­ant­wort­lich bin. Die Ent­wick­lung und Markt­ein­füh­rung von Web­fonts war bei­spiels­weise eines der von mir betreu­ten Projekte.

Stu­diert habe ich Druck– und Medi­en­tech­nik an der Beuth-Hochschule Ber­lin. Ich habe zuvor einige Jahre als Medi­en­ge­stal­ter für Digi­tal– und Print­me­dien gear­bei­tet. Da ich für mein Leben gern orga­ni­sie­ren habe ich 2006 den Ber­li­ner Typost­amm­tisch ins Leben geru­fen, der sich mitt­ler­weile zu einem wich­ti­gen regel­mä­ßi­gen Treff­punkt der typo­gra­fi­schen Haupt­stadt­szene ent­wi­ckelt hat. Außer­dem schreibe ich, wenn­gleich auch berufs­be­dingt sel­ten, auf www​.font​werk​.com über typo­gra­fi­sche Themen.

Wie denkst Du gene­rell über die @font-face Technologie?

Sie ist die bis­her beste tech­ni­sche Mög­lich­keit, andere Schrif­ten als nur die Sys­tem­fonts zum Betrach­ten ein­zel­ner Web­sites zur Ver­fü­gung zu stel­len. Ich bin froh, dass es @font-face gibt. Mit ihr ist aller­dings eine not­wen­dige Sen­si­bi­li­sie­rung für Schrift­li­zen­zen ver­bun­den, denn die Lizenz­be­din­gun­gen von nahezu allen pro­fes­sio­nell gestal­te­ten Fonts erlau­ben die bis­her von eini­gen Brow­sern unter­stützte @font-face Form des »Raw Font Lin­kings«, also des Down­loads von nor­ma­len Desktop-Fonts nicht, han­delt sich doch hier­bei im Grunde um eine Ver­brei­tung der Schrift­soft­ware, die nicht Teil der erwor­be­nen Lizenz­rechte ist.

Berei­tet Font­Shop die Schrif­ten spe­zi­ell für den Ein­satz im Web vor?

Ja, die Fontab­tei­lung von FSI Font­Shop Inter­na­tio­nal berei­tet alle Schrif­ten spe­zi­ell für den Ein­satz im Web auf. Dazu gehört natür­lich die Kon­ver­tie­rung in die ent­spre­chen­den For­mate (WOFF und EOT Lite), die im Detail die beson­dere Anwen­dungs­um­ge­bung berück­sich­tigt, vor allem aber eine auf­wän­dige Bild­schirm­op­ti­mie­rung. Web Font­Fonts sind hier­bei neben der ohne­hin sehr guten Eig­nung für das Mac-Betriebssystem ins­be­son­dere für die Dar­stel­lung unter dem Windows-Betriebssystem opti­miert. Wir set­zen hier­bei auf das ClearType-Rendering, wel­ches seit Win­dows XP ver­füg­bar und seit Vista bzw. Inter­net Explo­rer 7 stan­dard­mä­ßig bei den Benut­zern akti­viert ist. Bei unse­rem Hin­ting wird jedes ein­zelne Zei­chen eines Fonts (das sind meh­rere Hun­dert pro Schrift­schnitt, oft sogar deut­lich über 1.000) per Hand von unse­ren Tech­ni­kern überarbeitet.

Woran man­gelt es der aktu­el­len Tech­no­lo­gie noch, um anspruchs­vol­le­Ty­po­gra­phie­auf Web­sei­ten zu ermöglichen?

Ganz ein­fach: an der Unter­stüt­zung der Brow­ser. Es war ein beschwer­li­cher Weg, bis sich Schrift­her­stel­ler und –gestal­ter in lang­jäh­ri­gen Dis­kus­sio­nen mit Web­de­si­gnern und Brow­ser­ent­wick­lern schließ­lich auf ein gemein­sa­mes For­mat einig­ten. Der Kom­pro­miss, bei dem sich alle Betei­lig­ten letzt­lich mit ihren jewei­li­gen Vor­stel­lun­gen auf­ein­an­der zu bewegt haben heißt WOFF (Web Open Font For­mat) und wird der­zeit vom W3C spe­zi­fi­ziert und momen­tan in den Inter­net Explo­rer 9 sowie die Webkit-basierten Brow­ser Safari und Chrome imple­men­tiert. Mozil­las Fire­fox unter­stützt das For­mat bereits seit Ver­sion 3.6. Da Web Font­Fonts in die­sem und im EOT-Format aus­ge­lie­fert wer­den, funk­tio­nie­ren sie bereits auf etwa drei Vier­tel aller Brow­ser (je nach Sta­tis­tik). Prin­zi­pi­ell kann man die Zeit bis zur voll­stän­di­gen Brow­ser­un­ter­stüt­zung durch die Benut­zung soge­nann­ter Webfont-Services über­brü­cken, die dank eini­ger tech­ni­scher Tricks und Kniffe eine nahezu voll­stän­dige Brow­ser­kom­pa­ti­bi­li­tät garan­tie­ren. Aus die­sem Grund sind die Web Font­Fonts auch über den Ser­vice Typekit ver­füg­bar. Genau­ge­nom­men steht daher anspruchs­vol­ler Typo­gra­fie im Sinne viel­fäl­ti­ger Schrif­ten­aus­wahl schon jetzt nichts mehr im Wege.

In wel­che Rich­tung wird sich die Tech­nik entwickeln?

Der nächste Schritt dürfte die Unter­stüt­zung von OpenType-Features sein. Damit kann man dann makro– und mikro­ty­po­gra­fisch noch­mal einen Gang hoch­schal­ten und ganz ein­fach Kapi­täl­chen, Zif­fern­va­ri­an­ten, Brü­che und die wei­te­ren bekann­ten Errun­gen­schaf­ten des OpenType-Formats ins Netz über­tra­gen. Für die zuvor erwähnte anspruchs­volle Typo­gra­fie ist das eine sehr inter­es­sante Zukunft.

Die meis­ten Web-Entwickler haben bis­her keine so große Erfah­rung im Umgang mit Schrif­ten. Warum soll­ten sie pro­fes­sio­nelle Schrif­ten für Web­sei­ten lizen­sie­ren, anstatt auf kos­ten­lose Schrif­ten zurück zu grei­fen? Wel­chen Vor­teil haben die pro­fes­sio­nel­len gegen­über den meis­ten frei ver­füg­ba­ren Schriften?

Gegen die »kos­ten­lo­sen« Sys­tem­schrif­ten spricht prin­zi­pi­ell nichts, außer dass Viel­falt und Eigen­stän­dig­keit natür­lich mit der sehr über­schau­ba­ren Aus­wahl unmög­lich ist. Die Erstel­lung einer hoch­wer­ti­gen Schrift nimmt viel Zeit in Anspruch – Monate, oft sogar Jahre. Wer diese Zeit in eine Schrift­fa­mi­lie inves­tiert und eine ent­spre­chende Aus­bil­dung vor­wei­sen kann, kann es sich gar nicht leis­ten, die Fonts kos­ten­los weg­zu­ge­ben. Free Fonts sind – bis auf sehr wenige Aus­nah­men – meist das Ergeb­nis von ers­ten Geh­ver­su­chen zukünf­ti­ger Schrift­ge­stal­ter oder Spaß­pro­jekte, die in der Pra­xis sehr viele qua­li­ta­tive (sowohl tech­ni­sche als auch typo­gra­fi­sche) Nach­teile haben. Mit pro­fes­sio­nel­len Schrif­ten ist man in der Regel auf der siche­ren Seite. Ich ver­glei­che das immer gern mit kos­ten­lo­ser Musik. Da lässt sich sicher unter einem enor­men Ange­bot mal eine akus­ti­sche Perle zu ent­de­cken, aber ein DJ wird die Menge dann doch nur mit pro­fes­sio­nel­ler Musik rocken.

Es gibt inzwi­schen die Mög­lich­keit jede Schrift ein­fach in ein ent­spre­chen­des Paket zur Nut­zung mit der @font-face Tech­nik umzu­wan­deln. Siehst Du hier Pro­bleme bezüg­lich der Lizen­zie­rung auf Font­Shop zukommen?

Nein, denn das ist schlicht­weg nicht erlaubt: jeder Kunde akzep­tiert vor dem Down­load der Schrift im Web­shop die EULA (End User License Agree­ment), in der nicht nur die Kon­ver­tie­rung und Modi­fi­zie­rung des Fonts aus­drück­lich von den erwor­be­nen Nut­zungs­rech­ten aus­ge­schlos­sen wer­den, son­dern auch die Wei­ter­gabe an Dritte, was durch die @font-face-Technik aber in einem unüber­schau­ba­ren Aus­maß pas­siert. Daher wird es mehr und mehr Web­fonts geben, die die Benut­zung mit der Tech­no­lo­gie expli­zit erlauben.

Font­Shop bie­tet inzwi­schen in Zusam­men­ar­beit mit Typekit Web­fonts an. Wie kam es zu die­ser Kooperation?

Die Typekit-Leute spra­chen uns früh auf ihr geplan­tes Pro­jekt an und stell­ten uns ihre Vor­stel­lun­gen vor. Anfangs waren wir natür­lich sehr skep­tisch, aber sie über­zeug­ten uns schnell, dass sie eine Vision mit uns teil­ten – end­lich eine große Aus­wahl pro­fes­sio­nel­ler Fonts für das Web­de­sign zur Ver­fü­gung zu stel­len. Hinzu kam, dass sie die­ses gemein­same Ziel mit einer sehr pro­fes­sio­nel­len Art und mit sehr viel Enthu­si­as­mus ver­folg­ten. Das hat uns schließ­lich überzeugt.

In mei­nem Typekit Account habe ich Zugriff z.B. auf die „FF Bro­ken­script Web“ und kann diese in Web­sei­ten ein­bin­den. Im Shop kos­tet das Paket als Lizenz jedoch 72€. Warum sollte ich die Lizenz noch kau­fen wenn ich doch anschei­nend die Schrift­art bereits über mei­nen Typekit Account nut­zen kann. Wie funk­tio­niert das Lizenzmodel?

Der Unter­schied ist, dass man die Schrift bei Typekit für eine bestimmte Zeit mie­tet und je nach Inten­si­tät und Dauer der Nut­zung unter­schied­li­che Lizenz­ge­büh­ren für die Ver­wen­dung auf einer begrenz­ten Anzahl an Web­sites zahlt. Im Shop erwirbt man hin­ge­gen wie gewohnt ein­ma­lig eine Lizenz, mit der man den Font im Gegen­satz dau­er­haft und unab­hän­gig von Drit­ten auf sämt­li­chen eige­nen Web­sites nut­zen. Für den Einen mag Typekit die rich­tige Lösung sein, ein Groß­teil unse­rer Kun­den hat uns aber schon früh signa­li­siert, dass sie die Ein­mal­be­zahl­va­ri­ante bevor­zu­gen, um eben in den Genuss der Unab­hän­gig­keit und der Kos­ten­si­cher­heit zu gelan­gen. So kann jeder selbst ent­schei­den, wel­che Vari­ante indi­vi­du­ell vor­teil­haf­ter ist.

Im Übri­gen ist Typekit nicht zwangs­läu­fig die güns­ti­gere Vari­ante, eben je nach Art, vor allem Dauer der Nut­zung. Zudem ist das Ange­bot bei Typekit ledig­lich eine Unter­menge der tat­säch­lich ver­füg­ba­ren Web Font­Fonts in den Shops. Die größte Aus­wahl gibt es also nur direkt.

Gibt es sonst noch etwas das du den Lesern mit­tei­len möchtest?

Die Web­fonts bie­ten enorm viele neue Mög­lich­kei­ten für Web­de­si­gner. Wir haben lei­den­schaft­lich gern die ers­ten Schritte getan, aber längst ist natür­lich das Gesamt­bild nicht per­fekt. Die Brow­ser müs­sen nach­zie­hen, die Schrift­her­stel­ler viel­leicht ihre Lizenz­be­din­gun­gen und die tech­ni­sche Auf­be­rei­tung der Fonts nach­jus­tie­ren, die Web­de­si­gner müs­sen sich inten­si­ver mit typo­gra­fi­schen Grund­la­gen befas­sen. Wie im Print­be­reich wird es Schrif­ten geben, die sich beson­ders gut oder eben weni­ger für zum Bei­spiel ganz kleine Grö­ßen, für Fließ­texte oder für Über­schrif­ten eig­nen. Es wer­den auch Schrif­ten gestal­tet wer­den, die aus­schließ­lich im Web funktionieren.

Wir haben das große Glück, eine unglaub­lich span­nende Zeit erle­ben zu dür­fen, um die man uns spä­ter benei­den wird. Daher kommt es dar­auf an, was wir alle (Web­de­si­gner, Schrift­ge­stal­ter, –her­stel­ler, Brow­ser­ent­wick­ler, …) dar­aus machen. Wer bereits jetzt seine Erfah­run­gen mit den Web­fonts macht, wird bald die Nase vorn haben. Es liegt an uns allen, ob anspruchs­volle Typo­gra­fie im Web wei­ter­hin Zukunfts­mu­sik oder schon bald Rea­li­tät sein wird.

Interview vom:

Ivo Gab­ro­witsch

Über Ivo Gab­ro­witsch

Auf­ge­wach­sen Ist Ivo Ga­bro­witsch neben dem Walz­werk in Hett­stedt, dem Namens­vor­bild sei­ner pri­va­ten Web­seite »Font­werk«. Er stu­dierte Druck– und Medi­en­tech­nik an der Beuth-Hochschule für Tech­nik in Ber­lin und war vor sei­ner Tätig­keit bei Font­Shop als Medi­en­ge­stal­ter tätig.

Im Jahr 2006 hat er den Ber­li­ner Typost­amm­tisch ins Leben gerufen.

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